Jede von uns hat so ihre Meinung über Bettlerinnen. Der einen tun sie leid. Die Andere geht mit einem Schulternzucken vorbei.
Manche geben ihr etwas. Andere wollen das Betteln nicht unterstützen.
Immerhin mögen wir alle die Nachhaltigkeit, die beim Betteln ja so eindeutig nicht gegeben ist.
Was passiert mit diesem Euro, den ich an die abgewrackte Bettlerin abgebe? Was ist ihr denn damit schon geholfen?
Diese Fragen sind vielleicht das einzige was dem Betteln immer wieder nachhängt. Egal, was wir darüber denken: Helfen wir wirklich mit unserem Kleingeld?
Und wir stellen uns diese Frage ohne auch nur die geringste Idee zu haben, was sich hinter der Bettlerin verbirgt. Was hat sie in ihrem Leben erlebt? Was hat dazu geführt, dass sie an dem Punkt angekommen ist, an dem wir sie nun treffen?
Wir haben keine blasse Ahnung.
Vor ein paar Tagen habe ich die folgende Geschichte gehört, die mir mal wieder gezeigt hat, dass ich keine platten Urteile glauben werde, dass ich mir auch sparen werde über langfristige Hilfe oder Nachhaltigkeit theoretisch nachzusinnen ohne auch nur eine leiseste Idee davon zu haben, was sich hinter der Bettlerin verbirgt.
Wer nicht nachfragt kann nur geben! Das ist meine Devise. Das ist das Mindeste mit dem ich mich aus der Affäre ziehen kann. Ich kaufe mir ein wenig Freiraum!
M. hat mir gezeigt, dass sich nachfragen lohnt. Sie ist eine tolle Frau. Anfang zwanzig. Sie hat mittlerweile selbst Kinder und arbeitet in einem Aidsprojekt mit. Sie kümmert sich um Menschen, die am Ende ihres Lebens angekommen sind. Mit den 150 Euro, die sie verdient will sie ihr Abitur nachmachen und dann hoffentlich mal studieren.
Und M. hat eine tolle Ausstrahlung. Sie sieht gut aus und verbreitet gute Laune. Ein Mensch mit dem man sich wohl gerne umgibt.
Auf die Frage in einem Training, was sie als Kind gespielt hat erzählt sie, dass sie nie Zeit zum Spielen hatte. Ihr Vater ist gestorben als sie fünf war und von da an musste sie die Familie mit Betteln unterstützen.
Später pflegt sie ihre schwerkranke Mutter bis diese stirbt. Was für eine Kindheit.
Mir hallt noch lange in den Ohren, dass ich mal gehört habe, dass man bettelnden Kinder an der Strasse auf keinen Fall Geld geben soll. Die sind sowieso nur aus Drückerbanden, nehmen Drogen oder finanzieren im besten Fall ihr trauriges Leben auf der Strasse.
Ich kann die Geschichte von M. nicht vergessen. Wie falsch kann man mit seinen Meinungen und Annahmen liegen?
Ich bin von Herzen froh über alle Menschen, die M. trotzdem ihr Kleingeld gegeben haben!